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Willibrordkulturweg - 7. Wolsfeld

Patrozinium: St. Hubertus - Gedenktag: 03. November

Im Zusammenhang mit ihrer grossen Schenkung an die Abtei überliessen der fränkische Edelmann Harduwinus und seine Gattin auch ihren in Wolffualt (Wolsfeld) gelgenen Besitz um 700 dem Kloster. Anders als in Meckel war damit aber keine Kirche verbunden. Denn pfarrlich gehörte der Ort zu Alsdorf; bis 1803 wechselten sich die Geistlichen von dort und Dockendorf jährlich als Seelsorger in Wolsfeld ab. Erst in jenem Jahr wurde Wolsfeld eigenständige Pfarrei und ist heute Zentrum der gleichnamigen Seelsorgeeinheit (Pfarreiengemeinschaft), die auch die ehemaligen Pfarreien Dockendorf, Messerich und Meckel mit ihren Filialen umfasst.

Wie lange die Schenkung Harduwins im Besitz der Abtei verblieb, ist ungewiss. Da die Luxemburger Grafen, die als Vögte des Klosters eigentlich dessen Besitz schützen sollten, sich im Laufe der Zeit aber einen Teil davon aneigneten, änderten sich auch für Wolsfeld die Herrschaftsverhältnisse. Im hohen Mittelalter finden sich hier verschiedene luxemburgische Adelsgeschlechter, das Dorf wechselte häufig seinen Besitzer. Im ausgehenden 17. Jarhundert dürfte sich der Ort wohl endgültig aus dem Einflussbereich der Abtei gelöst haben, nachdem er noch zur Zeit des Abtes Bertels in dessen Verzeichnis der Ortschaften aufgeführt war, die dem Kloster zu Abgaben verpflichtet waren.

Zentrum des Dorfes war und ist die alte Pfarrkirche, die sich am Westrand des alten Ortskernes im ummauerten Bering des einstigen Friedhofes erhebt. Vermutlich um 1150 wurden die ältesten erhaltenen Bauteile des Gotteshauses errichtet, die Untergeschosse des Chorturmes, an den sich ein einschiffiger, bescheidener Saalbau anschloss.

Um 1500 wurde dieser Bau beträchtlich erweitert und erhielt sein heutiges Aussehen. An seiner Nordseite wurden ein zweites, schmaleres Kirchenschiff sowie ein weiterer Chorraum angebaut. Zur gleichen Zeit erhielt der Raum sein gotisches Gewölbe. So entstand eine drei Joch lange Halle mit zwei unterschiedlich breiten aber gleichhohen Schiffen und birnstabförmigen Kreuzrippengewölbe.

Damals wurde auch der Turm um zwei Geschosse erhöht, wobei die Schallarkaden in altertümlicher spätromanischer Formensprache ausgeführt wurden, vielleicht um so auf das hohe Alter dieses traditionsreichen Ortes zu verweisen. Die bauliche Erweiterung war notwendig geworden, weil der Ort und seine Kirche mehr und mehr zu einem überregionalen Zentrum der Hubertuswallfahrt entwickelten. Diese Bedeutung spiegelt sich auch in den Visitationsprotokollen von 1570 wider, in denen für die im Grunde kleine Dorfkirche vier Altäre und ebensoviele Kelche aufgeführt sind. Dies lässt sich nur mit den vielen Pilger erklären, die das Mittelalter hindurch bis zum beginnenden 19. Jahrhundert dort Heil und Zuspruck suchten. Dass der Pilgerandrang noch kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution sehr gross gewesen sein muss, lässt eine Rechnung von 1784 erkennen, wonach damals noch vier Beichtstühle angeschafft wurden.

Um 1610 erlitt der Bau im westen möglicherweise in Folge eines Brandes grössere Schäden. Damals verlor das dortige Joch sein Gewölbe und der gesamt Westteil musste erneuert werden. Dabei verzichtete man auf eine Wiedererrichtung der Gewölbe und zog stattdessen dort später eine breite Empore ein. Bei der letzten grundlegenden Renovierung (1958-62) wurden die recht herbe, schematische Blumenrankenausmalung aus der Zeit nach dem Umbau von 1500 sowie ein um 1700 entstandenes Fresko über dem südlichen Chorbogen freigelegt und ergänzt.

Prunkstück des Gotteshauses ist sein 1620 geschaffener Steinretabel. Vermutlich in der Werkstatt und Nachfolge des Trierer Bildhauers Hans Rupprecht Hoffmann (um 1545-1617) entstanden, erzählt das Altarbild die bekannte Legende von der Bekehrung des Kirchenpatrones. Hubertus (Fest: 3. November/Name: berühmter Denker) lebte von ca. 655 bis 727. Er war nicht nur ein Zeitgenosse des heiligen Willibrord, sondern wird ihn auch persönlich gut gekannt haben. Denn mit dem Hauser der Irmina eng verwandt, erscheint er auf der Schenkungsurkunde des Pippin und der Plektrudis an Willibrord aus dem Jahre 706 als einer der namentlich genannten Zeugen. Auch grenzte sein Bistum Lüttich-Maastricht mit Nordbrabant und Limburg an Utrecht, das Bistum Willibrords.

Aus hohem fränkischen Adel stammend war er mit der Tochter des Grafen von Lüttich verheiratet. Sein Sohn aus dieser Ehe wurde später sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Lüttich. Am Hofe Pippins lebend, lernte er dort den Bischof von Maastricht, den heiligen Lambert (625-703 - Fest: 17. September/Name: der berühmte Landmann) kennen. Im Jahre 695, nach dem Tode seines Vaters und seiner Frau, zog sich Hubertus zm Gebet und Bibelstudium sieben Jahre in die Waldeinsamkeit der Ardennen zurück, ehe er 702 nach Rom pilgerte und im darauffolgenden Jahr nach Lamberts Ermordung dessen Nachfolger wurde. Er bemühte sich in besonderer Weise um die Ausrottung des Heidentums im Ardennenraum, weshalb er als "Apostel der Ardennen" verehrt wird. Um 708 verlegte er den Bischofssitz von Maastricht nach Lüttich. Er starb am 30. Mai 727 in Tervueren bei Brüssel und wurde in Lüttich begesetzt. Als man am 3. November 743 seine Gebeine umbettete (Translatio), fand man diese unverwest. 825 wurde sein Leichnam in das Ardennenkloster Andagium übertragen, das in der Folgezeit sich nach dem Heiligen benannte. So begegnet uns in diesem Kirchenpatron nicht nur ein Zeitgenosse Willibrords, sondern auch in Mitstreiter dessen bei der Glaubensverkündigung im Eifelland und seinen angrenzenden Regionen.

Auf dem Hochaltar finden sich in den Seitennischen die Bildnisse der heiligen Tochus und Sebastian, die im Mittelalter vor allem als Schutzpatrone gegen die Pest angerufen wurden. Diese als Geissel der Menschheit gefürchtete Epidemie wütete in den Jahren um die Errichtung dieses Altares (1620) so verheerend in unserer Heimat, dass im Jahre 1633 Wolsfeld sogar menschenleer geworden war.

Die Darstellung des heiligen Sebastian (Fest: 20. Januar/Name: dem Kaiser zugehörig) erinnert an eine weitere Verbindung zu Echternach. Dort wurde ein Teil der Reliquien dieses Pestheiligen verehrt. Als Willibrord 695 zum zweiten Mal in Rom weilte, schenkte ihm Sergius I. (Papst 687-701) zahlreiche Reliquien, darunter, so die mündliche Überlieferung, auch solche des heiligen Sebastian, die Willibrord dann seinem Kloster geschenkt habe. Erste schriftliche Hinweise auf die in Echternach seit uralter Zeit verehrten Reliquien finden sich im 14. Jahrhundert. Einer ihrer berühmtesten Besucher war 1512 Kaiser Maximilian (1459-1519). Zeitweise, besonders wenn die Pest wütete, soll die Verehrung Sebastians die des Willibrords bei weitem übertroffen haben. Ob die besondere Verehrung des Pestpatrons, wie wir sie in Wolsfeld, vor allem aber in Minden finden, auch im Zusamenhang mit den engen Beziehungen zur Abtei steht, kann nur gemutmasst werden. "Text von Frank-Oliver Hahn".

"Diese Texte wurden übernommen aus der Schrift: "Willibrordkulturweg 658-2008 - Auf den Spuren des Heiligen beidseits der Sauer", Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Hubertus, Rathausstr. 2, 54636 Wolsfeld".

Dort kann das entsprechende Führerheft (Umfang 48 S., durchgehend farbig bebildert, 1 Karte) für 3 € Unkostenbeitrag (plus Versandkosten) bezogen werden. Tel.: 00 49 65 68 / 9 31 31.

Willibrordkulturweg


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