An der Sauermündung liegt die Gemeinde Langsur, zu der neben Langsur die Ortsteile Metzdorf, Grewenich, Mesenich und Wasserbilligerbrück zählen.
Die erste urkundliche Erwähnung fand Langsur 978 unter der Bezeichnung "Longasura" als Schenkung von Erzbischof Egbert an die St.-Maternus-Kirche in Trier. "Sura" bezeichnet vermutlich den Flussnamen der Sauer, mit "longa" ist die langgestreckte Form des Ortes gemeint. Die Ursprünge liegen jedoch viel weiter in der Vergangenheit, wie prähistorische Funde aus der Jungsteinzeit belegen.
Aus römischer Zeit stammen Funde wie der Kopf einer Bacchusstatue und römische Ziegelreste, die in der Nähe der Langsurer Kirche gefunden wurden. Die Herrschaft der Römer wurde 481 durch Chlodwig I. endgültig beendet und Langsur dem fränkischen Reich eingegliedert.
Heute ist Langsur die größte Weinbaugemeinde der Verbandsgemeinde Trier-Land. Angebaut wird in erster Linie der Elbling, der auf eine römische Rebe zurück zu führen ist.
Die traditionell guten Verbindungen zum Nachbarland Luxemburg manifestieren sich u. a. auch durch gemeinsame Projekte wie das am luxemburgischen Sauerufer gelegene Internationale Abwasserklärwerk Mompach/Trier-Land oder das deutsch-luxemburgische Feuerwehrgerätehaus in Born, das die Wehren aus Born/Lux. und Metzdorf gemeinsam nutzen. Langsur ist durch mehrere Brücken mit dem Nachbarland Luxemburg verbunden. Architektonisch besonders auffällig ist die Radweg- und Fußgängerbrücke aus Holz in Metzdorf.
Neben der Pfarrkirche in Langsur ist der Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert sehenswert, der auch als Veranstaltungsort genutzt wird. Beachtenswert sind des Weiteren die Kirchen in den Ortsteilen Grewenich und Mesenich soiwe der Kirchturm in Metzdorf, der aus dem 12. Jahrhundert stammt.
978 schenkte der Trierer Erzbischof Egbert der Maternuskirche in Trier, einer Nebenkirche der Abtei St. Matthias, das gesamte Dorf mit seiner Gemarkung und weist diese Schenkung als nicht näher gedeutete Rückgabe aus. 1148 wird der Abtei der Besitz der Kirche in Langsur mit Zehnt und Zubehör bestätigt. Die in der Visitation 1570 mit dem Patrozinium der hl. Maria Magdalena benannte Pfarrkirche hatte keine Filialen. Das Patrozinium und die Lage in einem Bereich größerer Pfarrbezirke deuten auf eine nicht ursprüngliche Organisation hin. Nach 1570 wird als zweiter Patron die hl. Katharina genannt.
1473 bestand Langsur aus 16, 1534 aus 19 Feuerstellen. Vermutlich in Folge des Krieges, vielleicht auch wegen der Pest und einiger Fällen von Hexenwahns, hatte Langsur 1658 nur noch drei Feuerstellen. Im 18 Jh. hatte sich die Zahl der in der Gemarkung gelegenen Mühlen auf drei erhöht. Rechts der Sauer wurde ein der Abtei gehörendes Kalkwerk betrieben.
Nachdem Luxemburg als Wälderdepartment Frankreich eingegliedert worden war, wurde Langsur Mairie im Kanton Grevenmacher. Mit der Grenzziehung 1815/16 wurde das Dorf der Bürgermeisterei Igel zugeordnet. In den Gemeindebann fiel der schmale Uferstreifen mit der auf dem römischen Unterbau stehenden Sauerbrücke Wasserbillig. Der hier neubenannte Ortsteil Wasserbilligerbrück bestand 1843 aus einem Zoll- und einem Wirtshaus.
1818 hatte Langsur 316 Einwohner, 1843 408. Bis 1905 stieg die Einwohnerzahl auf knapp 600, erreichte 1939 778 und 1965 841.
Im späten 19 Jh. verbesserte sich die Verkehrsanbindung mit den Straßen entlang der Sauer. 1884/85 wurde mit dem luxemburgischen Bann verschiedene Sauerbrücken errichtet (1944 gesprengt, 1953 wiederaufgebaut). Der hier 1910 bis 1913 entstandene Abschnitt der Sauertalbahn berührte Langsur nicht, sondern schneidet den Hals des Flußmäandres mit einem Tunnel ab.
Das im Ort und in der Gemarkung mit 21 Bunkern des Westwalls durchsetzte Dorf wurde 1944 durch Artilleriebeschuss beschädigt.
Anstelle des 1826 erbauten, 1894 erweiterten Schulgebäudes wurde nach Kriegszerstörung 1951 ein neues Schulhaus errichtet.
Bit-Läufercup und der Abschlußlauf im deutsch-luxemburgischen Nachbarschaftsraum mit Rahmenprogramm für die ganze Familie
Der Lauf findet seit 1991 statt und ist seit 1994 im Bitburger-Läufercup. Der Streckenverlauf führt durch Luxemburg und Deutschland. Die ca. 1700 Einwohner große Gemeinde Langsur ist 1025 Jahre alt.
Es existieren ausgewiesene Parkmöglichkeiten, ca. 500 m vom Ziel entfernt, und es kann zusätzlich ein kostenloses P+R Angebot und eine Gepäckaufbewahrung in Anspruch genommen werden.
Streckenrekord Männer:
Wilson Chemweno 29:54 (2001)
Streckenrekord Frauen:
Petra Draizaitlova 34:02 (2001)
Tourist-Information
Unterkünfte
Langsurer Brücke
Recherchiert und verfasst von Erwin Weber (© 2003).
Unsere Vorfahren haben nach vielen, vielen Jahren durch große Opfer unter schwierigen Bedingungen, aber mit einheitlichem Mut und Gemeinsinn, unsere schöne Wirtschaftsbrücke in der Zeit von 1884 - 1885 erbaut. Ein solches Bauwerk in sehr schönem Bruchsteinmauerwerk in dieser kurzen Zeit, trotz Hochwasserzeiten und anderer Schwierigkeiten war 1885 eine Meisterleistung, auf die das Dorf mit allen Beteiligten und darüber hinaus, stolz waren. Voraus schicken muss man, dass 2/3 der gesamten Ländereien, Weinberge und Wälder der Gemeinde auf der anderen Seite der Sauer in Luxemburg liegen.
Bis zu dieser Zeit ist man bei niedrigem Wasserstand auf einer Furt bei der Insel (Schuen ihr Wiertschie) oder über die Wasserbilliger Brücke mit dem Fuhrwerk gefahren. Es waren auch mehrere eigene Fährnachen vorhanden, mit denen man den meisten Transport über die Sauer tätigte. Es war dies alles sehr schwierig und auch gefährlich. Die vorhandene Furt durch die Sauer musste wegen der Sauerschifffahrt abgebaut werden. Nach ca. 30 Jahren der Diskussionen, mit dem Wunsch, endlich eine Brücke zu bauen, wurde am 1. Juli 1875 vom Gemeinderat ein Beschluss gefasst, die Brücke zu bauen. Ein Baufond war angelegt worden und es hatten sich 15.000,- Mark angesammelt. Der damalige Baumschulenbesitzer, Hubert Müller, hatte auch auf den Gemeinderatsbeschluss eingewirkt und sich an dem Fond beteiligt. Baumschulbesitzer Hubert Müller, hatte außer seinen Baumschulen auch Weinberge auf der luxemburger Seite "Im Herrenberg" liegen und hat 1893 123 Fuder Wein geerntet. Langsur hatte damals 463 Einwohner. In der damaligen Trierischen Zeitung ist vom 15. Mai 1880 zu lesen: (©Foto travelguide S.à r.l. 20.04.2012)
„Was endlich Langsur betrifft, so haben wir zu unserer Freude erfahren, daß die langgehegte Erwartung, hier über die Sauer eine Brücke sich wölben zu sehen, ihrer Erfüllung entgegengeht. Groß und im höchsten Maße rühmenswert ist die Opferfreudigkeit, mit welcher diese schwache Gemeinde für ihr Lieblingsprojekt eingetreten ist, und zu gönnen ist es ihr, wenn staatlicher und provinzlicherseits zur Verwirklichung beigetragen wird, da die Gemeinde allein bei allem guten Willen die Kosten dann doch nicht zu erschwingen vermag. Eine Zierde der Sauer wird freilich schwinden durch diesen Brückenbau: wir meinen die Langsurer Flottille, und nicht erschallen wird künftig hier mehr der melodische Ruf: "Hol über". Dafür kommt man aber auch zu jeder Jahres und Tageszeit flott und sicher über den Fluß und die Nachkommen werden sich kaum noch vorstellen können, mit welcher Mühe und Gefahr für ihre Vorfahren, der Verkehr mit dem jenseitigen Ufer verbunden gewesen ist.“
Die Langsurer Brücke - Wichtige Wirtschaftsbrücke nach dem Krieg
(©Foto travelguide S.à r.l. 20.04.2012)
Recherchiert und verfasst von Erwin Weber (© 2003).
Die meisten Einwohner von Langsur mussten nach ihrer Heimkehr aus der 2. Evakuierung 1945 feststellen, dass ihre in Luxemburg liegenden Ländereien der Gemeinde Langsur beschlagnahmt waren und unter Sequester standen.
2/3 aller Langsurer Ländereien liegen auf Luxemburger Seite. Das von der Luxemburgischen Regierung in eine landwirtschaftliche Strafkolonie für politische Gefangene umfunktionierte einstige Bauerngut Givenich übernahm die Bewirtschaftung unserer Ländereien. Alle Grenzsteine, darunter auch uralte der Abtei St. Mathias, auf denen das Beil und der Bischofsstab sowie die Buchstaben S.M. eingemeißelt waren, wurden entfernt. Alles Land wurde eingesät, bepflanzt und leider auch abgeerntet, obwohl ihre Eigentümer in großer Not waren und teils Hunger litten. Die Hoffnung der Langsurer Bürger, dass sie nun nach zweimaliger Flucht aus der Heimat und nach dem Überleben des Krieges das Schlimmste hinter sich gebracht hätten, erfüllte sich nicht. Es begann eine schwere und trostlose Zeit.Großes Handicap war auch, dass das auf deutscher Seite gelegene Ackerund Gartenland völlig vermint war und dass die Wiederherstellung der unterbrochenen Wasserleitung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten war, da mit der Sprengung unserer Wirtschaftsbrücke die daran aufgehängte, von Luxemburg kommende Wasserleitung, zerstört worden war. Die Amerikaner wurden nun durch die Franzosen abgelöst, einer Besatzungsmacht, deren eigenes Land ebenfalls arm und zerstört war. Französische Zollbeamte besetzten die Grenzen. Nur ein Teil der Langsurer Bürger bekam in den darauf folgenden Monaten Pässe ausgestellt. Diese Glücklichen hatten nun die Möglichkeit, sich auf der Luxemburger Seite Geld zu verdienen und sich Lebensmittel und Dinge, die man hier nicht bekommen konnte, zu kaufen. Das Nachhausebringen war allerdings ein Problem, da man entweder durch Zollkontrollen auf der Wasserbiiligerbrück oder durch die Sauer musste. Haupttauschmittel bei uns waren Kaffee und Zigaretten. Für 2 - 3 Pfund Kaffee konnte man ein Paar Schuhe bekommen. So mancher ängstliche Familienvater ging durch die Sauer um etwas Kaffee oder Zigaretten gegen Esswaren und Kleidung für seine Angehörigen tauschen zu können. Natürlich wurde, wie dies meistens geschieht, von einzelnen die Situation ausgenutzt. Ein reger Handel wurde betrieben und Kaffee und Zigaretten aus Langsur reisten bis in die Großstädte. Die Sorge um unsere Ernährung wurde immer größer. Man verfasste eine Denkschrift und sandte diese an die Luxemburger Regierung. Hier trat dann die jetzt 1000 Jahre alte Schenkungsurkunde wieder in den Vordergrund. Hier der Text des Begleitschreibens von Bürgermeister und Gemeinderat und des damaligen besorgten Pfarrers von Langsur.
An die Großherzoglich - Luxembourgische Regierung In Luxembourg.
Im Namen unserer Mitbürger überreichen wir, Ortsbürgermeister und Gemeindevertretung, durch gütige Vermittlung des Herrn Konsul Dr. Esslen in Trier, unsere "Denkschrift" der Hohen Regierung in Luxembourg.
Unsere Schrift berichtet, in welcher Situation wir uns zur Stunde befinden. Wir versuchten einen Beweis zu erbringen, wie wir von unsern Vorfahren her seit mehr denn 1000 Jahren als Langsurer Bürger mit dem auf der rechten Sauerseite liegenden Bann verwachsen sind. Gewiss entstanden seit etwa 100 Jahren politische Diktate, die weitab von allem Herkömmlichen standen, die die gegebenen Situationen einzelner Gemeinden nicht berücksichtigten und auch nicht berücksichtigen konnten. Unsern Verhältnissen am meisten fernstehend zerschnitt der Pariser Friedensvertrag vom 30. Mai 1814 unsern Bann in zwei Teile. Die Hohen Luxembourgischen Regierungen von damals bis heute zeigten weitkommendes Verständnis für das Bestehen der Langsurer Gemeinde und betrachteten Langsur als ein durch vielfache Bande mit beiden Ufern der Sauer verbundenes Dorf. So verblieb es zum Segen für hüben und drüben, bis unsere jetzige unselige Zeit jene Lage schuf, die Ruin und Untergang für uns bedeutet, wenn nicht das gleiche Entgegenkommen auch diesmal wieder die Brücke schlägt.
Wir verkennen gewiß nicht die Schwierigkeiten, die ihnen heute in der ganzen Behandlung der Frage entgegen treten werden.
Wir hoffen aber zuversichtlich, dass es ihrer staatsmännischen Klugheit und christlichen Haltung gelingen wird, diejenigen Entscheidungen herbei zuführen, die zum beiderseitigen Verstehen und zum Segen der Grenzbevölkerung sich auswirkt: dass wir wieder in den Besitz des Altererbten Landes kommen und auch weiterhin wir früher als gute Nachbarn an der Grenze zusammen stehen.
Der Bürgermeister der Gemeinde Langsur gez. Ries Johann
Die Gemeinderäte:
gez. Faber Matthias,
Heintz Heinrich,
Clasen-Lutz Johann,
Thull Peter,
Lutz Peter
An die Großherzoglich-Luxembourgische Regierung In Luxembourg
Als derzeitiger Pfarrer der schwer geprüften Gemeinde Langsur möchte ich der "Denkschrift" einen herzlichen Segenswunsch mit auf den Weg geben. Ich kenne seit Jahren die Leiden und Sorgen der Grenzbevölkerung auf beiden Seiten, kenne aber auch die engen Beziehungen gerade der Edelsten und Besten der Grenzgemeinden. Ich bitte daher, die Eingabe als das ansehen zu wollen, was sie tatsächlich ist: Ein Schrei aus tiefster Not; eine ergebene Bitte, vorgetragen von Männern, die sich um das Wohl ihres Heimatdorfes und ihrer Mitbürger sorgen; Ein vertrauensvoller Schritt zu einer Staatsführung, die aus katholischer Schau ihr Denken und Handeln herleitet. Möge Gott zu einem guten Ende führen, was mit gutem und besten Willen versucht wird: Menschen vor Verelendung, vor moralischem und sittlichem Niedergang zu bewahren.
Ende 1946 - Anfang 1947 bekommen fast alle Besitzer von Weinbergen auch Luxemburger Seite ihre Pässe. Ein großer Teil der Weinberge durfte dann nach der Entrichtung einer Pacht bearbeitet und abgeerntet werden. 1947 endlich, wird nach langen Verhandlungen mit Luxemburg die Wasserleitung wieder hergestellt. Die Leitungsrohre werden an einem dicken Drahtseil aufgehängt, weil die Brücke vorläufig noch nicht gebaut werden darf. Selbst die Gemeinde musste Kompensationsware bieten, um überhaupt das Drahtseil zu erhalten. Etwa 12 Typhusfälle waren bis dahin auf Grund nicht einwandfreiem Trinkwasser zu beklagen. Der Wiederaufbau der Grenzbrücke erfolgte in den Jahren 1952/53.
Zeitgeschichte danach:
Dann 1959 Rückgabe der Ländereien der Gemeinde Langsur. Zwei Jahre später, 1961, Rückgabe der Wälder der Gemeinde. Es vergingen 16 Jahre nach dem Kriege, bis die letzten Ländereien wieder ihren früheren Eigentümern zur Verfügung standen. So müssen immer wieder die Grenzbewohner besondere Opfer bringen, von denen die Bürger im Inland und die meisten Politiker nichts mitbekommen. Die verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Bindungen der Grenzbewohner hüben und drüben, die im Grunde die Grenze nie als eine solche betrachteten, wurden zwar unterbrochen, aber nach einiger Zeit wieder intensiviert und aufgefrischt und sind bald wieder dieselben wie zuvor. 1974 hatte Langsur 935 Einwohner. Grewenich, Metzdorf und Mesenich bildeten mit Langsur eine Großgemeinde mit dem Namen Langsur und den Ortsteilen Mesenich, Metzdorf, Grewenich und Wasserbilligerbrück. Die Einwohnerzahl wuchs auf 1690. Dies geschah am 19.04.1974 und war wirtschaftlich gesehen eine gute Lösung. Konnten doch durch die doppelten Schlüsselzuweisungen, die uns 10 Jahre erreichten, größere Maßnahmen als vorher in allen Orten durchgeführt werden.Die Langsurer Brücke - Wichtige Wirtschaftsbrücke nach dem Krieg
06.09.2009 10:39
Recherchiert und verfasst von Erwin Weber (© 2003).
Die meisten Einwohner von Langsur mussten nach ihrer Heimkehr aus der 2. Evakuierung 1945 feststellen, dass ihre in Luxemburg liegenden Ländereien der Gemeinde Langsur beschlagnahmt waren und unter Sequester standen.
2/3 aller Langsurer Ländereien liegen auf Luxemburger Seite. Das von der Luxemburgischen Regierung in eine landwirtschaftliche Strafkolonie für politische Gefangene umfunktionierte einstige Bauerngut Givenich übernahm die Bewirtschaftung unserer Ländereien. Alle Grenzsteine, darunter auch uralte der Abtei St. Mathias, auf denen das Beil und der Bischofsstab sowie die Buchstaben S.M. eingemeißelt waren, wurden entfernt. Alles Land wurde eingesät, bepflanzt und leider auch abgeerntet, obwohl ihre Eigentümer in großer Not waren und teils Hunger litten. Die Hoffnung der Langsurer Bürger, dass sie nun nach zweimaliger Flucht aus der Heimat und nach dem Überleben des Krieges das Schlimmste hinter sich gebracht hätten, erfüllte sich nicht. Es begann eine schwere und trostlose Zeit.Großes Handicap war auch, dass das auf deutscher Seite gelegene Ackerund Gartenland völlig vermint war und dass die Wiederherstellung der unterbrochenen Wasserleitung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten war, da mit der Sprengung unserer Wirtschaftsbrücke die daran aufgehängte, von Luxemburg kommende Wasserleitung, zerstört worden war. Die Amerikaner wurden nun durch die Franzosen abgelöst, einer Besatzungsmacht, deren eigenes Land ebenfalls arm und zerstört war. Französische Zollbeamte besetzten die Grenzen. Nur ein Teil der Langsurer Bürger bekam in den darauf folgenden Monaten Pässe ausgestellt. Diese Glücklichen hatten nun die Möglichkeit, sich auf der Luxemburger Seite Geld zu verdienen und sich Lebensmittel und Dinge, die man hier nicht bekommen konnte, zu kaufen. Das Nachhausebringen war allerdings ein Problem, da man entweder durch Zollkontrollen auf der Wasserbiiligerbrück oder durch die Sauer musste. Haupttauschmittel bei uns waren Kaffee und Zigaretten. Für 2 - 3 Pfund Kaffee konnte man ein Paar Schuhe bekommen. So mancher ängstliche Familienvater ging durch die Sauer um etwas Kaffee oder Zigaretten gegen Esswaren und Kleidung für seine Angehörigen tauschen zu können. Natürlich wurde, wie dies meistens geschieht, von einzelnen die Situation ausgenutzt. Ein reger Handel wurde betrieben und Kaffee und Zigaretten aus Langsur reisten bis in die Großstädte. Die Sorge um unsere Ernährung wurde immer größer. Man verfasste eine Denkschrift und sandte diese an die Luxemburger Regierung. Hier trat dann die jetzt 1000 Jahre alte Schenkungsurkunde wieder in den Vordergrund. Hier der Text des Begleitschreibens von Bürgermeister und Gemeinderat und des damaligen besorgten Pfarrers von Langsur.
An die Großherzoglich - Luxembourgische Regierung In Luxembourg.
Im Namen unserer Mitbürger überreichen wir, Ortsbürgermeister und Gemeindevertretung, durch gütige Vermittlung des Herrn Konsul Dr. Esslen in Trier, unsere "Denkschrift" der Hohen Regierung in Luxembourg.
Unsere Schrift berichtet, in welcher Situation wir uns zur Stunde befinden. Wir versuchten einen Beweis zu erbringen, wie wir von unsern Vorfahren her seit mehr denn 1000 Jahren als Langsurer Bürger mit dem auf der rechten Sauerseite liegenden Bann verwachsen sind. Gewiss entstanden seit etwa 100 Jahren politische Diktate, die weitab von allem Herkömmlichen standen, die die gegebenen Situationen einzelner Gemeinden nicht berücksichtigten und auch nicht berücksichtigen konnten. Unsern Verhältnissen am meisten fernstehend zerschnitt der Pariser Friedensvertrag vom 30. Mai 1814 unsern Bann in zwei Teile. Die Hohen Luxembourgischen Regierungen von damals bis heute zeigten weitkommendes Verständnis für das Bestehen der Langsurer Gemeinde und betrachteten Langsur als ein durch vielfache Bande mit beiden Ufern der Sauer verbundenes Dorf. So verblieb es zum Segen für hüben und drüben, bis unsere jetzige unselige Zeit jene Lage schuf, die Ruin und Untergang für uns bedeutet, wenn nicht das gleiche Entgegenkommen auch diesmal wieder die Brücke schlägt.
Wir verkennen gewiß nicht die Schwierigkeiten, die ihnen heute in der ganzen Behandlung der Frage entgegen treten werden.
Wir hoffen aber zuversichtlich, dass es ihrer staatsmännischen Klugheit und christlichen Haltung gelingen wird, diejenigen Entscheidungen herbei zuführen, die zum beiderseitigen Verstehen und zum Segen der Grenzbevölkerung sich auswirkt: dass wir wieder in den Besitz des Altererbten Landes kommen und auch weiterhin wir früher als gute Nachbarn an der Grenze zusammen stehen.
Der Bürgermeister der Gemeinde Langsur gez. Ries Johann
Die Gemeinderäte:
gez. Faber Matthias,
Heintz Heinrich,
Clasen-Lutz Johann,
Thull Peter,
Lutz Pete
Keller. Zweischiffige, von Stichkappengewölben überspannte Pfeilerhalle zu fünf Jochen.
Regelmäßige, weite Halle, deren Gewölbe wandseitig auf Vorlagen ruhen und in der Mitte von mächtigen Pfeilern aus wieder verwendetem römischen Sandsteinquadern gestützt wird.
Der barockzeitliche Keller gehörte zu einem Ökonomiegebäude des Hofgutes, das 1972 abgebrochen wurde.