Zu der vorherigen Seite 1 Zur nächsten Seite Zu der letzten Seite

Diekirch

Am Ufer der Sauer gelegen und eingebettet zwischen den grünenden Höhenzügen von "Haardt", "Goldknapp", "Seitert" und "Herrenberg", ist Diekirch eine der Ortschaften, die jedem, dem der Sinn nach Lokalkolorith steht, sofort ans Herz gewachsen ist. Hauptanziehungspunkt ist natürlich der als Fussgängerzone angelegte alte Stadtkern mit seinen Geschäften und Cafés, seinen verwinkelten Gässchen und seinem zentralgelegenen und als grosse Caféterrasse konzipierten Marktplatz, wo sich während der Sommermonate Konzerte, Folklore-Darbietungen und Strassenanimation abwechseln und den Besucher zum Verweilen bei einem gepflegten Diekircher Bier einladen!

Diekirch – Die neue Kirche (auch Laurentius Kirche)

Die neue Laurentiuskirche wurde in den Jahren um 1868 gebaut. Die Konsekration fand statt am 8. August 1869. Der Architekt Biwer hatte das Wappen der von Biver über der Sakristeitür angebracht. Die Kirche, an sich kein Kunstwerk, wurde “gehoben” einmal durch die Pietà von Achtermann und anderseits durch die transformationen von 1982/84.

Über die Konsekration der Kirche gibt es einen Artikel im Luxemburger Wort vom 18. August 1869, dem wir entnehmen, dass der Bischof mit der Kutsche samstags in Diekirch ankam. Die Feiern dauerten 3 Tage: sonntags die Konsekration und montags die Firmung, wo der Bischof 480 Diekircher und 70 Gilsdorfer Kindern das Sakrament der Firmung spendete. Die Feier begann schon Samstag nachmittag mit einer Andacht in der alten Kirche. In der neuen Kirche waren an diesem Tag die Reliquien der Gebeine der beiden Heiligen Aurelianus und theophilus ausgestellt, die anderntags in den Hochaltar der zu konsekrierenden Kirche eingeschlossen werden sollten.
Das Hochamt sonntags wurde vom Bischof gehalten in Gegenwart vieler Geistlicher, darunter sämtliche Priester des Dekanats. Bei der Messe assistierten nur eingeborene Diekircher Priester. Mittags lud der Dechant neben dem Bischof und den Geistlichen auch das Schöffenkollegium und die Präsidenten der Vereine zu Tisch, wo “christlicher Frohsinn und Heiterkeit die Gemüter abspannte von den Mühen des Vormittags” (so der Berichterstatter).

1871 wurde die Pietà von Achtrmann aufgestellt, eines der grössten, christlichen Kunstwerke auf Luxemburger boden. Theodor Wilhelm Achtermann, geboren in Münster (Westfalen) 1799, starb in Rom 1884, wo er eine Reihe Kunstwerke geschaffen hatte. Für seine Heimatkirche Münster hatte er eine schöne Pietà skulptiert, die den Diekircher Gärtner Theodor Meisch sehr beeindruckt hatte. Er erzählte dies seinem Freund Theodor Tandel, einem alten “Napoleonsdiener”, der beschloss, aus Dank, dass er die Feldzüge des Kaisers überlebte, der Diekircher Kirche eine Pietà von Achtermann zu schenken.

Er bat seine Tocher Marie Catherine, genannt “d'Tändelchen” (gest. 1909 im Alter von 84 Jahren), bei Achtermann eine Marmorpietà in Auftrag zu geben. Während der Arbeit zeigte sich eine dunkle Stelle im Stein. Da die Pietà aber ohne Fehler in weissem Marmor bestellt war, musste die in Lebensgrösse bestellte Figur reduziert werden. Die Statue war zunächst in Rom gelegentlich des Ersten Vatikanischen Konzils 1869/70 ausgestellt. Achtermann hat über die Aufstellung seines Werkes in Diekirch Anregungen gegeben, die nur zum Teil befolgt wurden.

Wir geben hier eine Beschreibung der Pietà, wie sie vor Jahren im “Luxemburger Wort” stand:
“Sanft über den heiligen Leichnam gebeugt und gänzlich in den Anblick der edlen Züge ihres göttlichen Sohnes versunken, drückt die ganze Gestalt der Mater Dolorosa die innigste Liebe und den tiefsten Schmerz aus. Dieselben Gefühle atmen die reinen, ruhigen Züge ihres schönen, jungfräulichen Antlitzes mit dem auf den Lippen schwebenden Ausdruck des Seelenleidens. Die fromme ruhe, welche über alle Bewegungen und Gebärden ausgegossen ist, verklärt die heisse Liebe durch heiligen Seelenfrieden und veredelt den herben Schmerz durch die opferwillige Ergebung”.
Joseph Hirsch schreibt hierüber in “Hemecht” 1968: “Cette statue passe pour un chef-d'oeuvre du 19ième siècle... On en doit admirer la sobre élégance.”
Dieses Kunstwerk, das leider bisher nicht genügend beleuchtet war, wurde bei der derzeitigen Restauration der Kirche vorteilhafter in dem linken Turm aufgestellt.
1891 wurden Baldachin und Fenster im Chor der neuen Kirche beigefügt.
1980/81 wurde die Transformation des Chors vorgenommen. Architekten waren Léon Loschetter und Jean Herr. Die Dekorationswand, die hierbei benötigt wurde, um den neuen Altarraum von dem Hintergrund abzuschirmen, wurde von dem Künstler Jos. Probst entworfen und von dem Gilsdorfer Kunstschmied Jean Ney ausgeführt. Den Tabernakel schuf die Artistin Frau Jos. Probst-Würth.

Auszug aus dem Buch über Diekirch, von Jos. Herr.

Zu der vorherigen Seite 1 Zur nächsten Seite Zu der letzten Seite